Die Land- und Ernährungswirtschaft steht vor der Aufgabe, ihre Produktions- und Wertschöpfungsprozesse nachhaltiger, resilienter und zukunftsfähig zu gestalten. Klimawandel, Ressourcenknappheit, Biodiversitätsverlust, veränderte Anforderungen von Kundinnen und Kunden sowie neue gesetzliche Vorgaben führen dazu, dass Nachhaltigkeit zunehmend zu einem strategischen Thema für Unternehmen wird.
Doch wo soll ein Unternehmen beginnen? Welche Anforderungen sind relevant? Welche Bereiche sollten zuerst betrachtet werden und welche Methoden und Werkzeuge können bei der Umsetzung unterstützen?
Eine nachhaltige Transformation bedeutet dabei mehr als die Reduktion von CO₂-Emissionen. Sie umfasst die gesamte Wertschöpfungskette – vom Anbau und der Beschaffung von Rohstoffen über Produktion, Energieversorgung, Lagerung und Logistik bis hin zu Verpackung, Vertrieb, Nutzung und Entsorgung. Gleichzeitig müssen ökologische, wirtschaftliche und soziale Aspekte zusammengedacht werden. Ein sinnvoller Transformationsprozess lässt sich in fünf Schritte gliedern: Analyse, Zielsetzung, Maßnahmenentwicklung, Umsetzung und Wirkungskontrolle.
1. Ausgangssituation analysieren
Am Anfang steht die Frage: Wo steht Ihr Unternehmen heute?
Dazu werden relevante Umwelt- und Nachhaltigkeitswirkungen erfasst. Dazu gehören beispielsweise Energie- und Ressourcenverbräuche, Treibhausgasemissionen, Abfallströme, Wasserverbrauch, Flächennutzung oder Auswirkungen auf die Biodiversität. Auch die Lieferkette sollte betrachtet werden, da ein erheblicher Teil der Umweltwirkungen häufig außerhalb des eigenen Unternehmens entsteht. Für die Klimabilanzierung kann beispielsweise das Greenhouse Gas Protocol als Orientierung dienen. Für eine detailliertere Betrachtung von Produkten und Prozessen können Lebenszyklusanalysen (LCA) eingesetzt werden. Je nach Fragestellung stehen unterschiedliche Instrumente zur Verfügung. Beispiele sind ClimatePartner für die CO₂-Bilanzierung, Ecochain für die Verbindung von CO₂-Bilanzierung und LCA oder der Cool Farm Tool für landwirtschaftliche Betriebe.
2. Relevante Anforderungen und Handlungsfelder bestimmen
Nach der Bestandsaufnahme stellt sich die Frage: Was ist für Ihr Unternehmen besonders relevant?
Dabei spielen sowohl gesetzliche Anforderungen als auch freiwillige Nachhaltigkeitsziele und Erwartungen von Kundinnen und Kunden, Geschäftspartnern und Finanzinstituten eine Rolle. Unternehmen sollten deshalb zunächst prüfen, welche regulatorischen Anforderungen für sie gelten und welche Nachhaltigkeitsthemen für ihr Geschäftsmodell besonders relevant sind. Dazu gehören beispielsweise Anforderungen aus der CSRD, der EU-Taxonomie oder der EU-Entwaldungsverordnung (EUDR). Auch Klimaziele und europäische Strategien wie der European Green Deal beeinflussen die zukünftige Entwicklung der Land- und Ernährungswirtschaft. Eine ausführliche Einordnung der Hintergründe und Anforderungen finden Sie im Artikel „Nachhaltige Transformation – Hintergründe und Anforderungen“.
3. Ziele setzen
Auf Basis der Analyse können konkrete Nachhaltigkeitsziele formuliert werden. Wichtig ist, dass diese möglichst messbar und nachvollziehbar sind.
Beispiele sind:
- Reduktion der Treibhausgasemissionen,
- Senkung des Energie- und Wasserverbrauchs,
- Reduktion von Lebensmittel- und Verpackungsabfällen,
- Steigerung des Anteils erneuerbarer Energien,
- Verbesserung der Ressourceneffizienz,
- Förderung von Biodiversität,
- Erhöhung des Anteils nachhaltiger Rohstoffe oder
- Verbesserung der Transparenz in der Lieferkette.
Dabei sollte zwischen kurzfristig erreichbaren Maßnahmen und langfristigen strategischen Zielen unterschieden werden.
4. Maßnahmen entwickeln und umsetzen
Anschließend geht es darum, aus den Zielen konkrete Maßnahmen abzuleiten. Dabei kann es sinnvoll sein, die gesamte Wertschöpfungskette Schritt für Schritt zu betrachten.
Im Anbau und der Rohstoffbeschaffung können beispielsweise Maßnahmen zur Reduktion von Düngemittel- und Pflanzenschutzmitteleinsatz oder zur Förderung der Biodiversität relevant sein.
In der Produktion und Verarbeitung stehen unter anderem Energieeffizienz, Maschineneffizienz, Prozessoptimierung und die Reduktion von Produktionsabfällen im Fokus.
Bei Lagerung und Kühlung können Temperaturmanagement und effiziente Kühltechnik zur Reduktion von Energieverbrauch und Emissionen beitragen.
In Transport und Logistik können beispielsweise eine optimierte Tourenplanung, eine bessere Auslastung von Fahrzeugen oder die Vermeidung von Leerfahrten relevant sein.
Auch Verpackung, Vertrieb, Produktnutzung und End-of-Life sollten berücksichtigt werden. Hier können beispielsweise Verpackungsoptimierung, Recyclingfähigkeit, Mehrwegsysteme oder Informationen zur nachhaltigen Nutzung von Produkten eine Rolle spielen.
Eine detaillierte Übersicht über die wichtigsten Themenfelder und deren Umsetzung finden Sie im Artikel „Themen & Umsetzung – Nachhaltigkeit entlang der Wertschöpfungskette“.
5. Wirkung überprüfen und kontinuierlich verbessern
Nach der Umsetzung sollte regelmäßig überprüft werden, ob die Maßnahmen die gewünschten Wirkungen erzielen. Kennzahlen helfen dabei, Fortschritte sichtbar zu machen und gegebenenfalls nachzusteuern. Dabei können beispielsweise Energieverbrauch, CO₂-Emissionen, Wasserverbrauch, Materialeinsatz, Abfallmengen oder Recyclingquoten betrachtet werden.
Für die Bewertung komplexerer Umweltwirkungen können LCA-Methoden eingesetzt werden. Instrumente wie TRACI oder Eco-Indicator 99 ermöglichen beispielsweise die Bewertung unterschiedlicher Umweltwirkungen im Rahmen einer Ökobilanz. Für Unternehmen, die ihre Umwelt- und Nachhaltigkeitsdaten umfassender erfassen möchten, stehen außerdem verschiedene Softwarelösungen zur Verfügung.
Welche Methoden, Tools, Standards und Expertisen Sie für die einzelnen Schritte nutzen können und wie TransformERN Sie dabei unterstützen kann, erfahren Sie im Artikel „Methoden & Expertise – Werkzeuge für die nachhaltige Transformation“.
Ihr Weg zur nachhaltigen Transformation
Nachhaltige Transformation ist kein einmaliges Projekt, sondern ein kontinuierlicher Entwicklungsprozess. Entscheidend ist deshalb nicht, alle Themen gleichzeitig zu bearbeiten. Vielmehr sollten Unternehmen zunächst ihre Ausgangssituation verstehen, relevante Handlungsfelder identifizieren, Prioritäten setzen und daraus konkrete Maßnahmen ableiten.
Als Orientierung können Sie dabei folgende Fragen nutzen:
Wo stehen Sie? → Was ist relevant? → Was wollen Sie erreichen? → Was können Sie verändern? → Welche Wirkung erzielen Sie?
Auf unserer Website finden Sie dazu drei aufeinander aufbauende Bereiche:
1. Hintergründe & Anforderungen
Welche politischen, gesellschaftlichen und rechtlichen Entwicklungen sind relevant und welche Anforderungen ergeben sich daraus?
2. Themen & Handlungsfelder
Welche Nachhaltigkeitsthemen sind entlang der Wertschöpfungskette relevant und welche konkreten Maßnahmen können umgesetzt werden?
3. Methoden, Tools & Expertise
Welche Tools, Methoden, Standards und Kennzahlen können Sie einsetzen und welche Unterstützung bietet TransformERN?
So erhalten Sie einen strukturierten Einstieg in die nachhaltige Transformation und können gezielt zu den für Sie relevanten Fragestellungen weitergehen.