Themen und Handlungsfelder

3.1 CO₂ bilanzieren und reduzieren

Vom CO₂-Fußabdruck zur Klimastrategie

Eine belastbare Klimastrategie beginnt mit der Frage: Wo entstehen die Emissionen Ihres Unternehmens oder Produkts?

Eine CO₂-Bilanz hilft Ihnen dabei, relevante Emissionsquellen systematisch zu erfassen. Dabei werden häufig die Kategorien des Greenhouse Gas Protocol genutzt.

Scope 1 umfasst direkte Emissionen aus eigenen oder kontrollierten Quellen, beispielsweise aus Verbrennungsprozessen oder dem eigenen Fuhrpark.

Scope 2 umfasst indirekte Emissionen aus eingekaufter Energie, beispielsweise Strom oder Wärme.

Scope 3 umfasst weitere indirekte Emissionen entlang der Wertschöpfungskette. Dazu gehören beispielsweise eingekaufte Rohstoffe, Transporte, Geschäftsreisen, die Nutzung verkaufter Produkte oder die Entsorgung.

Gerade in der Land- und Ernährungswirtschaft können Scope-3-Emissionen einen erheblichen Anteil der Gesamtemissionen ausmachen. Deshalb reicht es häufig nicht aus, ausschließlich die eigenen Betriebsstandorte zu betrachten.

Welche Tools können Sie nutzen?

Für Unternehmens- und Produktbilanzen können beispielsweise ClimatePartner oder Carbon Footprint Ltd. eingesetzt werden.

Für landwirtschaftliche Betriebe stehen mit dem CO₂-Rechner der Landwirtschaftskammer NRW, KLIMAKALK oder FactFlow spezifischere Ansätze zur Verfügung.

Das Cool Farm Tool ermöglicht darüber hinaus eine Bewertung landwirtschaftlicher Prozesse und berücksichtigt neben Treibhausgasemissionen weitere Umweltaspekte.

Eine Bilanz ist jedoch nur der erste Schritt. Entscheidend ist anschließend die Frage, welche Emissionsquellen besonders relevant sind und mit welchen Maßnahmen sie wirksam reduziert werden können.

3.2 Energie effizient nutzen

Energieverbrauch analysieren und Einsparpotenziale erkennen

Energie ist in vielen Unternehmen der Land- und Ernährungswirtschaft ein wichtiger Kosten- und Emissionsfaktor. Besonders relevant können beispielsweise Produktion, Kühlung, Lagerung, Trocknung, Beleuchtung oder Gebäude sein.

Eine systematische Analyse hilft Ihnen dabei, besonders energieintensive Prozesse zu erkennen. Anschließend können Sie prüfen, ob sich Verbräuche durch technische Optimierungen, veränderte Betriebsweisen oder den Einsatz erneuerbarer Energien reduzieren lassen.

Ein Beispiel ist das Temperaturmanagement in Kühl- und Lagerbereichen. Bereits eine präzisere Steuerung und Überwachung der Temperaturen kann dazu beitragen, unnötigen Energieverbrauch zu vermeiden. Unterstützung bieten beispielsweise die Angebote der Effizienz-Agentur NRW und von NRW.Energy4Climate. Energiemanagement sollte dabei nicht als einmalige Maßnahme verstanden werden. Durch kontinuierliches Monitoring können Sie erkennen, ob Maßnahmen tatsächlich die erwarteten Einsparungen erzielen.

3.3 Nachhaltige Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Nachhaltigkeit entlang der landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette

Landwirtschaftliche Produktion ist eng mit Klima, Boden, Wasser und Biodiversität verbunden. Nachhaltigkeitsmaßnahmen sollten deshalb die gesamte landwirtschaftliche Produktion betrachten.

Relevante Ansatzpunkte sind beispielsweise:

  • Düngung
  • Bodenmanagement
  • Pflanzenschutz
  • Tierhaltung
  • Energieverbrauch
  • Bewässerung
  • Anbauverfahren
  • Lagerung und Transport

Digitale Werkzeuge können Ihnen dabei helfen, Emissionen und Umweltwirkungen zu erfassen und unterschiedliche Maßnahmen miteinander zu vergleichen.

Der CO₂-Rechner der Landwirtschaftskammer NRW unterstützt landwirtschaftliche Betriebe beispielsweise bei der Ermittlung relevanter Emissionen. Auch das Cool Farm Tool bietet Möglichkeiten zur Bewertung landwirtschaftlicher Umweltwirkungen.

Für die Lebensmittelbranche können beispielsweise Eaternity oder umfassendere LCA-Ansätze genutzt werden, um Umweltwirkungen von Lebensmitteln und Produktionsprozessen zu untersuchen.

3.4 Biodiversität

Biodiversität als Teil der Unternehmensstrategie

Nachhaltigkeit umfasst mehr als Klimaschutz. Unternehmen sind auch von funktionierenden Ökosystemen und biologischer Vielfalt abhängig. Für die Land- und Ernährungswirtschaft spielt Biodiversität eine besondere Rolle, da landwirtschaftliche Produktion direkt mit Flächen, Böden, Wasser und Ökosystemen verbunden ist.

Eine erste Analyse sollte deshalb klären: Welche Auswirkungen hat Ihr Unternehmen auf Biodiversität und welche Abhängigkeiten bestehen von natürlichen Ressourcen? Anschließend können konkrete Maßnahmen entwickelt werden, beispielsweise zur Förderung vielfältiger Anbausysteme, zum Schutz von Böden und Gewässern oder zur Reduzierung negativer Auswirkungen auf Lebensräume.

Für eine systematischere Bewertung können unter anderem der WWF Biodiversity Risk Filter, oder LCA-basierte Methoden eingesetzt werden.

3.5 Ressourcen und Kreislaufwirtschaft

Von der Abfallvermeidung zum geschlossenen Kreislauf

Ressourceneffizienz bedeutet, Rohstoffe und Materialien möglichst effizient einzusetzen und unnötige Verluste zu vermeiden. Kreislaufwirtschaft geht einen Schritt weiter: Materialien sollen möglichst lange genutzt, wiederverwendet, repariert oder recycelt werden.

Ein sinnvoller Ausgangspunkt ist eine Materialflussanalyse. Dabei erfassen Sie, welche Materialien in Ihr Unternehmen hineingehen, wo sie eingesetzt werden und welche Produkte, Nebenprodukte und Abfälle daraus entstehen.

Auf dieser Grundlage können Sie beispielsweise prüfen:

  • Wo entstehen Materialverluste?
  • Welche Abfälle können vermieden werden?
  • Welche Nebenprodukte können weiterverwendet werden?
  • Welche Materialien können durch Recyclingmaterial ersetzt werden?
  • Wo lassen sich geschlossene Kreisläufe etablieren?

Tools wie Circonomit oder Ecochain können bei der Analyse von Umwelt- und Materialdaten unterstützen. Zusätzlich bietet die Effizienz-Agentur NRW Beratung und Instrumente im Bereich Ressourceneffizienz.

3.6 Nachhaltige Lieferketten

Scope 3 und Lieferketten gemeinsam betrachten

Ein großer Teil der Umweltwirkungen eines Unternehmens kann außerhalb der eigenen Betriebsgrenzen entstehen. Für Unternehmen der Land- und Ernährungswirtschaft betrifft dies beispielsweise Rohstoffe, landwirtschaftliche Vorleistungen, Verpackungen oder Transporte.

Eine nachhaltige Transformation muss deshalb auch die Lieferkette berücksichtigen. Dazu benötigen Sie möglichst belastbare Informationen über Lieferanten, Herkunft, Produktionsbedingungen, Emissionen und Risiken.

Digitale Plattformen wie Prewave, EcoVadis oder osapiens können Unternehmen bei der Lieferantenbewertung, Risikoanalyse und Nachhaltigkeitssteuerung unterstützen. Die Qualität der Ergebnisse hängt jedoch wesentlich von der Datenqualität ab. Deshalb sollten Unternehmen schrittweise Strukturen für die Erhebung, Prüfung und Weitergabe von Nachhaltigkeitsdaten aufbauen.

3.7 Transport und Logistik

Emissionen durch effiziente Logistik reduzieren

Transport und Logistik sind wichtige Ansatzpunkte für die Reduktion von Treibhausgasemissionen und Kosten. Dabei sollten Sie nicht nur einzelne Fahrzeuge betrachten, sondern die gesamte Logistikkette:

Inbound → innerbetriebliche Logistik → Lagerung → Outbound

Potenziale können beispielsweise durch eine bessere Auslastung von Fahrzeugen, optimierte Touren, alternative Antriebe oder eine verbesserte Koordination von Warenströmen entstehen. Auch Geschäftsreisen und Dienstfahrten können in die Betrachtung einbezogen werden. Für kleinere Unternehmen ist es besonders wichtig, Lösungen zu wählen, die zum eigenen Fuhrpark und zur Unternehmensgröße passen. Nicht jedes professionelle Flottenmanagementsystem ist für kleinere Fuhrparks wirtschaftlich sinnvoll.

3.8 Verpackung und Vertrieb

Verpackungen nachhaltig gestalten

Verpackungen erfüllen wichtige Funktionen: Sie schützen Produkte, verlängern deren Haltbarkeit und ermöglichen Transport und Verkauf. Gleichzeitig benötigen sie Ressourcen und erzeugen Umweltwirkungen.

Eine nachhaltige Verpackungsstrategie sollte deshalb mehrere Aspekte gleichzeitig betrachten:

  • Materialeinsatz
  • Gewicht
  • Recyclingfähigkeit
  • Mehrwegfähigkeit
  • Materialherkunft
  • Transport
  • Produktschutz

Eine reine Reduzierung des Verpackungsgewichts ist nicht automatisch die beste Lösung. Entscheidend ist die Betrachtung des gesamten Lebenszyklus.

Dafür können beispielsweise Verpackungsmatrizen, Materialflussanalysen und LCA-Methoden eingesetzt werden.

3.9 Produktnutzung und Lebensende

Das Produkt über den gesamten Lebenszyklus betrachten

Nachhaltigkeit endet nicht mit dem Verkauf eines Produkts. Je nach Produkt können Umweltwirkungen insbesondere während der Nutzung oder am Ende des Lebenszyklus entstehen. Beispiele sind Energieverbrauch während der Nutzung, Reparaturmöglichkeiten, Wiederverwendung oder Recycling. Eine Lebenszyklusbetrachtung hilft Ihnen dabei, diese Aspekte systematisch einzubeziehen.

Dabei können Sie untersuchen:

Rohstoffe → Produktion → Transport → Nutzung → Wiederverwendung/Recycling → Entsorgung

LCA-Tools wie openLCA, SimaPro oder GaBi/Sphera unterstützen eine solche ganzheitliche Betrachtung.