Von der Uni ins eigene Labor: Wie AgPrime Pflanzenschutz neu denkt

Dr. Caspar Langenbach und sein Team gründeten 2021 AgPrime – ein Ag-Tech Start-up mit dem Ziel, Pflanzen widerstandsfähiger zu machen, ohne auf klassische Pestizide angewiesen zu sein. Heute arbeitet das Unternehmen mit internationalen Partnern aus der Agrarindustrie zusammen und steht beispielhaft dafür, wie Wissenstransfer zwischen Wissenschaft und Industrie in beide Richtungen gelingen kann.

Ein Perspektivwechsel im Pflanzenschutz

Im Zentrum steht ein Ansatz, der zunächst ungewohnt klingt: Pflanzen sollen nicht primär durch das Bekämpfen von Erregern geschützt werden, sondern durch die Stärkung ihrer eigenen Abwehrmechanismen. „Der Wirkstoff tötet nicht den Erreger“, erklärt Langenbach, „sondern wirkt auf die Pflanze, die sich dann besser wehren kann.“

Das Prinzip dahinter ist die sogenannte induzierte Resistenz. Statt punktuell einzelne Krankheiten zu adressieren, wird die Pflanze in einen Zustand versetzt, in dem sie robuster auf unterschiedliche Stressfaktoren reagiert – von Pathogenen bis hin zu Trockenheit oder Hitze. Gerade vor dem Hintergrund des Klimawandels wird dieser breitere Ansatz zunehmend relevant.

AgPrime verfügt dafür u.a. über eine Technologie, die es ermöglicht, sehr niedrigschwellig zu testen, wie Pflanzen auf verschiedene Wirkstoffe reagieren. Diese Plattform wird auf zwei Arten genutzt: Zum einen als Dienstleistung für Industriepartner, die neue Wirkstoffe oder Kombinationen prüfen möchten. Zum anderen dient sie dazu, eigene Biostimulanzien zu identifizieren und das interne Portfolio zu erweitern. So lassen sich Innovationen sowohl extern als auch intern systematisch vorantreiben.

Vom Wissenschaftler zum Gründer

Der Weg zu dieser Idee verlief allerdings nicht geradlinig. Zwar kommt Langenbach aus einer Unternehmerfamilie, doch die Schattenseiten des Unternehmertums waren ihm früh bewusst. Entsprechend entschied er sich zunächst für die klassische akademische Laufbahn: Biologiestudium, Promotion, Postdoc, später eine eigene Arbeitsgruppe.

Erst durch Einblicke in Ausgründungen im universitären Umfeld änderte sich die Perspektive. „Wenn man sieht, dass andere diesen Schritt gehen, merkt man: Es ist nicht unmöglich.“ Parallel arbeitete er eng mit Industriepartnern zusammen – eine Erfahrung, die später entscheidend werden sollte. Denn dabei wurde deutlich, wie unterschiedlich die Anforderungen sind: Während Universitäten stark in der Grundlagenforschung sind, brauchen Unternehmen oft schnelle, anwendungsnahe Lösungen.

Der Start: pragmatisch und nah an der Anwendung

Die Gründung selbst begann pragmatisch: fünf Personen, begrenztes Startkapital und ein erster Auftrag, der den Einstieg erleichterte. „Wir sind sehr offen in die Gespräche gegangen“, erinnert sich Langenbach. Der Aufbau würde Zeit brauchen – gleichzeitig konnte das Team eine Arbeitsweise anbieten, die stärker auf Geschwindigkeit und Flexibilität ausgelegt war.

Die Anfangsphase war entsprechend improvisiert. „Eher wie ein Garagenlabor“, sagt er rückblickend. Vieles entstand parallel: Infrastruktur, Prozesse, Kundenbeziehungen. Entscheidend war weniger Perfektion als die Fähigkeit, konkrete Fragestellungen schnell umzusetzen.

Zusammenarbeit neu gedacht

Bis heute arbeitet AgPrime eng mit Industriepartnern zusammen, häufig sehr projektbezogen. Standardlösungen spielen dabei eine untergeordnete Rolle. „Wir sind eher der Custom-Partner“ – die Fragestellung kommt vom Kunden, der Ansatz entsteht im Dialog.

Auch organisatorisch unterscheidet sich diese Form der Zusammenarbeit von klassischen akademischen Projekten: Entscheidungen werden schneller getroffen, Abläufe sind schlanker, und Themen wie geistiges Eigentum werden früh geklärt. Gleichzeitig betont Langenbach, dass dies kein Gegenentwurf zur Wissenschaft sei. „Die Grundlagen kommen nach wie vor stark aus der Forschung – wir setzen eher da an, wo es Richtung Anwendung geht.“

Service als strategischer Einstieg

Ein bewusster Schritt war auch die Entscheidung für ein hybrides Geschäftsmodell. Statt sich ausschließlich auf eigene Produkte zu konzentrieren, setzte AgPrime zunächst stark auf Forschungsdienstleistungen. „Uns wurde oft gesagt, das sei kein guter Weg“, erzählt Langenbach. „Aber wir hatten das Gefühl, dass es für uns genau passt.“

Rückblickend erwies sich das als tragfähige Grundlage. Die Projekte generierten nicht nur Einnahmen, sondern auch wertvolle Einblicke in reale Herausforderungen der Industrie. Ein Teil dieser Mittel fließt heute gezielt in eigene Forschung.

Ein aktueller Schwerpunkt ist die Entwicklung von Screening-Verfahren für induzierte Resistenz – ein Bereich, der lange als schwer zugänglich galt. „Wir glauben, dass wir hier Dinge möglich machen, die bisher so nicht gingen“, sagt Langenbach. Ob sich daraus ein grundlegender Durchbruch ergibt, bleibt offen, aber der Anspruch, neue methodische Wege zu gehen, ist klar erkennbar.

Zwischen Forschung und Anwendung

Heute bewegt sich AgPrime selbstverständlich zwischen Wissenschaft und Industrie. Kooperationen mit Universitäten gehören ebenso dazu wie gemeinsame Projekte mit Start-ups oder internationalen Partnern. Die Perspektive hat sich dabei verschoben: vom akademischen Projektpartner hin zu einem Akteur, der Kooperationen aktiv mitgestaltet.

Was dabei entscheidend ist, sind weniger formale Strukturen als funktionierende Beziehungen. Netzwerke entstehen oft informell, und Vertrauen entwickelt sich über Zeit. „Man merkt relativ schnell, ob es Substanz hat oder nicht.“ Wenn es passt, entstehen daraus oft langfristige Partnerschaften.

Offenheit spielt dabei eine wichtige Rolle – allerdings mit Augenmaß. Nicht alles wird geteilt, aber genug, um gemeinsam voranzukommen. „Joint Forces ist am Ende einfach stärker“, bringt es Langenbach auf den Punkt.

Regional verwurzelt, global vernetzt

Trotz internationaler Ausrichtung ist das Unternehmen bewusst in der Region geblieben. Der Standort im Rheinischen Revier – einer Region im Wandel – ist Teil dieser Entscheidung. Hier entstehen neue industrielle Perspektiven, und AgPrime sieht sich als Teil dieser Entwicklung.

Ein Beispiel ist die Arbeit an alternativen Nutzpflanzen wie Brennnesseln. Dabei geht es nicht nur um einzelne Anwendungen, sondern um größere Zusammenhänge: neue Wertschöpfungsketten, zusätzliche Einkommensquellen für die Landwirtschaft und stabilere Versorgungssysteme. „Wenn Landwirte mehrere Absatzmöglichkeiten haben, gibt das Sicherheit.“

Mehr als ein Karriereweg

Die Geschichte von AgPrime zeigt: Wissenschaft und Wirtschaft sind kein Gegensatz. beschrieben. Es ist ihre Verbindung, die neue Möglichkeiten schafft.

Oder, wie Langenbach es formuliert: „Es gibt nicht diesen einen Weg.“

Kontakt: Dr. Caspar Langenbach (CEO),

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