Thema „Landwirtschaft ohne Chemie?“ auf der Ideenfutter Expo 2026

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Ideenfutter Expo 2026

Bereits zum achten Mal in Folge trafen sich bei der Ideenfutter Expo 2026 unterschiedliche Akteur:innen aus der Land- und Lebensmittelwirtschaft, um Ausstellende und ihre Lösungen kennenzulernen, Innovationen zu erleben und aktuelle Themen zu diskutieren. Dafür fanden unter dem diesjährigen Leitthema „Resilienz“ auch wieder verschiedenste Vorträge sowie sogenannte Branchentalks statt.

Branchentalk zum Thema „Landwirtschaft ohne Chemie“

Ein Branchentalk öffnet den Raum, um gewisse Themen anzusprechen, verschiedene Blickwinkel zu diskutieren und Erfahrungen auszutauschen. Der Branchentalk unter dem Titel „Landwirtschaft ohne Chemie? – Ersatz für Dünger, Pestizide und Co.“ öffnete beim Ideenfutter Expo 2026 den Raum für verschiedene Fragen rund um die konventionelle Landwirtschaft ohne Einsatz von Chemikalien, marktreife Lösungen, sowie die größten Hürden und Chancen für Landwirtinnen sowie Landwirte, Start-ups und die gesamte Wertschöpfungskette.

Die Moderation

Die Moderation des Branchentalks fand unter Caspar Langenbach von AgPrime sowie Elisabeth Schloten von Kurovia statt. AgPrime entwickelt biologische Lösungen und Screening-Plattformen zur Förderung von Pflanzengesundheit und Nährstoffeffizienz während KuroVia pflanzliche Reststoffe aus der Lebensmittelproduktion durch Pyrolyse in erneuerbare Wärme, Pflanzenkohle und dauerhaft gespeichertes CO₂ umwandelt.

Der Einstieg in das Thema

Was allgemein unter „Chemie in der Landwirtschaft“ verstanden wird, sind Pestizide und synthetischer Dünger. Der Moderator leitete ein, dass diese Chemie häufig negativ behaftet ist. Dabei wird Art und Menge der Stoffe gar nicht bei der Bewertung mit betrachtetet. Denn – sowohl bei der konventionellen als auch bei der ökologischen Landwirtschaft gibt es Vor- und Nachteile. Während konventionelle Landwirtschaft u.a. auf hohe Erträge durch züchterische Anpassung und chemische Hilfsmittel setzt, erfordert der ökologische Anbau 1,5-mal mehr Fläche wie im konventionellen. Das Schöne ist, dass es kein Entweder und Oder geben muss. Resistenzentwicklungen, steigende Kosten für chemische Mittel und wachsende regulatorische Bedenken treiben bei konventionellen Betrieben die Suche nach Alternativen voran. So werden auch Lösungen von Bio-Betrieben integriert, wie zum Beispiel die Hacktechnik.

Zusammenspiel (neuer) Technologien

Die Hacktechnik eignet sich besonders bei trockenem Boden, wird jedoch bei länger anhaltender Nässe deutlich erschwert. Zu beachten ist auch der höhere Zeitaufwand im Vergleich zum Spritzen. Zudem lassen sich mit der Hacktechnik nicht alle Bereiche des Feldes erreichen, etwa direkt an der Pflanze. „Lücken“ solcher Techniken können ausgeglichen werden durch die Kombination von Techniken und Lösungen. Statt der zeitintensiveren Hacktechnik oder dem großflächigen Sprühen von Pestiziden alleine, kann eine Kombination zielführend wirken: Stattdessen werden nur die von der Hacke nicht gut zu erreichenden Bereiche besprüht. Dieses Vorgehen wird auch Spot-Spraying genannt.

Weitere aktuelle Herausforderungen in der Praxis

Der Branchentalk bot Raum um weitere aktuelle Herausforderungen in der Praxis anzusprechen. Einige Teilnehmenden kennen die landwirtschaftliche Praxis und teilten ihre Ansichten sowie Erfahrungen.

Als erstes wurde die diesjährige Trockenheit thematisiert, die zu Ertragseinbußen führte und ein effizientes Wassermanagement erfordert. Als möglicher Lösungsansatz wurde der Anbau verschiedener, sich gegenseitig unterstützender Pflanzenarten diskutiert. In der Praxis sind bereits Mischkulturen und Untersaaten verbreitet, um die Resilienz der Pflanzen zu fördern. Allerdings ist bei der Umsetzung auf eine sinnvolle Fruchtfolge und Zwischenfrüchte zu achten, da insbesondere auf kleinem Ackerland die Flächenkonkurrenz hoch werden kann.

Ein vielversprechender Ansatz, um den Düngermitteleinsatz zu reduzieren und gleichzeitig Stockstoff im Boden zu binden, besteht in der Nutzung neuartiger Kulturen und alternative Pflanzenproteine – etwa der Ackerbohne, die sich besonders gut als Stickstoffbinder eignet. Allerdings stellt die wirtschaftliche Vermarktung dieser Früchte eine Hürde da. Dafür müssten entsprechende Marktstrukturen aufgebaut werden, um Abnehmer:innen zu gewinnen und langfristige Geschäftsmodelle zu etablieren.

Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit

Viele Landwirtinnen und Landwirte arbeiten im Familienbetrieb. Für sie steht an erster Stelle das Überleben des Betriebs zu sichern. Gleichzeitig wird in Generationen gedacht: die nächste Generation soll auf gesunden Böden Landwirtschaft betreiben können. Vor diesem Hintergrund äußerte sich ein Teilnehmer: „Das Vertrauen in die Landwirte fehlt.“.

Differenzierte Kommunikation und Vertrauen gewünscht

Neben dem Vertrauen an die Landwirtinnen und Landwirte, wird auch eine differenzierte Kommunikation über Pflanzenschutz und Düngung gewünscht. Herbizide bspw. unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Wirkungsweise und ihres Risikoprofils deutlich. Pflanzenschutzmittel sollten daher nicht pauschal als „reines Gift“ bezeichnet, sondern differenziert nach Wirkstoff, Anwendung und Gefährdungspotenzial bewertet werden. Diese Unterschiede sollten gesondert betrachtet und kommuniziert werden. Einige konkreten Unterschiede von Gülle und chemischen Dünger rundeten den Branchentalk ab, wie zum Beispiel die ausreichend verfügbare Menge von Gülle sowie die energieintensive Erzeugung von chemischem Dünger.

Weitere marktreife Lösungen

Neben spannenden Branchentalks fand am 01. Oktober bei der Ideenfutter Expo auch die Möglichkeit, mit innovativen Start-ups ins Gespräch zu kommen und wertvolle Kontakte zu knüpfen.

Zum Beispiel bietet das Start-up DynamoBot smarte Spot-Spraying-Nachrüstung für vorhandene Spritzgestänge. Das Nachrüstungssystem WeSee nutzt Kameras und KI, um Pflanzen und Unkräuter in Echtzeit zu erkennen und nur dort Herbizide oder Dünger auszubringen, wo sie tatsächlich benötigt werden. Dadurch soll der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Dünger deutlich reduziert werden.

Eine weitere Lösung bietet das deep-tech-Spin-off der RWTH Aachen Omnivore Recycling, das mit Hilfe von Larven der schwarzen Soldatenfliege Reststoffe zu hochwertigem Futtermittel verarbeitet.

KuroVia stellt Pflanzenkohle her, die als Nährstoff- und Wasserspeicher genutzt werden kann, um die Düngermenge zu reduzieren.

Das Spin-Off des Deutschen Luft- und Raumfahrt nunos veredelt Rindergülle und Gärreste zu einem dünnflüssiger, geruchsneutralen Flüssigdünger mit direkt pflanzenverfügbaren Nährstoffen.

Durch die Software von FactFlow können landwirtschaftliche und verarbeitende Betriebe ihre Umweltauswirkungen mithilfe bestehender Daten durch KI-gestützte Prozesse analysieren und automatisch zu wissenschaftlich fundierte Ökobilanzierung erstellen lassen.

Sie sind allgemein interessiert an die vielfältigen Innovationen in der Landwirtschaft?

Dann hören Sie beim Landfunk rein – der InnovationsTalk Podcast der Landwirtschaftskammer NRW. 

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