„Wir sehen uns als Impulsgeber und wollen zwei bis drei Schritte voraus sein.“ Dieser Satz beschreibt ziemlich genau, wie Ricardo Guerreiro Gonçalves, Operations Manager European Logistics bei DACHSER Neuss, die Rolle des Unternehmens in der Transformation der Logistik versteht. Statt auf die eine perfekte Lösung zu warten, testet DACHSER neue Technologien im laufenden Betrieb, sammelt Erfahrungen und entwickelt sie gemeinsam mit Herstellern weiter.
Dass dieser Ansatz funktioniert, hat vor allem einen Grund: Das Unternehmen denkt langfristig. Trotz seiner internationalen Größe versteht sich DACHSER als familiengeführtes Unternehmen, das nicht in Quartalen, sondern in Generationen plant. Diese langfristige Perspektive schafft den Freiraum, neue Technologien frühzeitig auszuprobieren und auch dann weiterzuverfolgen, wenn sie wirtschaftlich noch nicht vollständig ausgereift sind.
Innovation entsteht im Praxistest
Bevor neue Technologien flächendeckend eingesetzt werden, werden sie unter realen Bedingungen getestet. Dafür hat DACHSER 2022 begonnen, seine Niederlassungen in Freiburg, Hamburg und Malsch bei Karlsruhe zu „E-Mobility-Sites“ zu entwickeln. Dort wurden Fahrzeuge, Ladeinfrastruktur, Lastmanagement und Software erprobt, bevor sie in den operativen Betrieb übergehen. Ziel war ein Blueprint für das DACHSER Netzwerk; nun sollen die Erfahrungen aus den drei Forschungsstandorten wirtschaftlich tragfähig und planvoll im gesamten Road Logistics Netzwerk skaliert werden.
Der Ansatz ist bewusst praxisorientiert: Neue Fahrzeugkonzepte werden nicht erst dann eingesetzt, wenn sie vollständig ausgereift sind. Stattdessen sammelt DACHSER Erfahrungen im täglichen Betrieb und gibt dieses Wissen an Hersteller zurück, um Technologien gemeinsam weiterzuentwickeln. Gerade diese Rückkopplung zwischen Logistikunternehmen und Fahrzeugherstellern sieht Ricardo Guerreiro Gonçalves als entscheidenden Faktor. „Wenn wir als großer Logistiker keine Aufträge platzieren und kein Feedback geben, entwickelt sich die Technologie auch nicht weiter“, beschreibt er die Rolle von DACHSER als Impulsgeber.
Dekarbonisierung braucht unterschiedliche Lösungen
Eine zentrale Erkenntnis aus den bisherigen Erfahrungen: Es gibt nicht die eine Technologie für emissionsfreie Logistik. DACHSER betrachtet Technologien aus dem Anwendungsfall. Je nach Einsatzgebiet und Verfügbarkeit der Ladeinfrastruktur kommen unterschiedliche Lösungen zum Einsatz – von kleineren Elektrofahrzeugen für die Innenstadt bis hin zu elektrischen 40-Tonnern im Fernverkehr. Wasserstoffantrieb kann eine sinnvolle Ergänzung sein für besonders herausfordernde Strecken, wo Reichweiten von 1.000 Kilometer gefragt sind.
In Europa sind laut Ricardo Guerreiro Gonçalves inzwischen über 200 elektrifizierte Lkw im Einsatz. Ergänzt werden diese durch weitere elektrische Fahrzeuge für den innerbetrieblichen Transport, etwa batterieelektrisch betriebene Hoffahrzeuge sowie elektrisch unterstützte Lastenräder für die City-Logistik.
Die Strategie dahinter ist klar:DACHSER begreift sich als Impulsgeber für eine nachhaltigere Logistik und setzt deshalb auf einen ganzheitlichen, langfristigen und praxisorientierten Ansatz. Die Umstellung auf alternative Antriebe mit der entsprechenden Energieversorgung und Ladeinfrastruktur spielt dabei eine Schlüsselrolle.
DACHSER Emission Free Delivery: Schrittweise zur emissionsfreien Innenstadt
Mit dem Konzept „DACHSER Emission Free Delivery“ treibt DACHSER auch die nachhaltige Transformation der City-Logistik gezielt voran. Im Fokus stehen klar definierte Innenstadtbereiche, die emissionsfrei beliefert werden. Anstatt eine flächendeckende Umstellung auf einmal vorzunehmen, setzt DACHSER auf einen schrittweisen Ausbau emissionsfreier Lieferzonen.
Eine Lieferzone erhält den Status „emissionsfrei“, wenn mindestens 98 Prozent aller Sendungen innerhalb des definierten Gebiets mit E-Lkw, E-Transporter oder Lastenrad zugestellt werden. Damit wird bereits heute eine nahezu vollständige Dekarbonisierung der Zustellung erreicht. Für wenige spezielle Einsatzzwecke bleiben konventionelle Fahrzeuge als ergänzende Lösung verfügbar.
Ein aktuelles Beispiel ist die Niederlassung Neuss: Dort wird das erste emissionsfreie Liefergebiet in der Düsseldorfer Innenstadt bereits mit drei Fahrzeugen bedient. Die gewonnenen Erfahrungen schaffen eine wichtige Grundlage, um emissionsfreie Transporte weiter auszubauen und emissionsfreie Logistik wirtschaftlich, effizient und nachhaltig voranzubringen.
Die Herausforderungen der Transformation
Der Weg zur emissionsfreien Logistik ist mit erheblichen Herausforderungen verbunden. Eine der größten Hürden ist die notwendige Infrastruktur. Besonders die verfügbaren Netzkapazitäten werden zu einem entscheidenden Faktor, wenn immer mehr Fahrzeuge elektrifiziert werden. Eine leistungsfähige Ladeinfrastruktur ist dabei essenziell.
DACHSER investiert in eigene Ladeinfrastruktur, weil der wirtschaftliche und zuverlässige Betrieb von E-Lkw derzeit nur mit ausreichend Ladeleistung an den eigenen Standorten möglich ist. Gleichzeitig sammelt das Unternehmen damit Erfahrungen, die für die schrittweise Elektrifizierung des gesamten Netzwerks benötigt werden.
Eine weitere Herausforderung ist die Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit neuer Technologien. Elektrische Fahrzeuge funktionieren im passenden Einsatzgebiet bereits sehr gut, bringen aber neue Anforderungen mit sich. Während ein Diesel-Lkw bei einem Werkstattaufenthalt oft innerhalb weniger Tage wieder verfügbar ist, können Reparaturen bei neuen Technologien aktuell teilweise länger dauern. Auch für kleinere Transportunternehmen stellt die Transformation eine große Herausforderung dar. Die höheren Anschaffungskosten und die Unsicherheit bei neuen Technologien können eine erhebliche finanzielle Belastung sein. DACHSER nutzt deshalb eigene Flotten und Pilotprojekte auch dazu, Erfahrungen zu sammeln, die später der gesamten Branche zugutekommen können. Insbesondere bei schweren Zugmaschinen bieten batterieelektrische Lkw wirtschaftliche Vorteile. Ausschlaggebend sind vor allem die deutlichen Einsparungen bei den Mautkosten sowie die im Vergleich zu Diesel niedrigeren Energiekosten. Dadurch wird E-Mobilität nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch zunehmend attraktiv.
Familienunternehmen mit langfristiger Perspektive
Dass DACHSER diesen Weg konsequent verfolgt, hängt eng mit der Unternehmenskultur zusammen. Als familiengeführtes Unternehmen denkt DACHSER langfristig und investiert kontinuierlich in die Zukunft.
Für das Jahr 2025 nennt Ricardo Guerreiro Gonçalves ein Gesamt-Investitionsvolumen des Logistikdienstleisters von 325 Millionen Euro. Mit einer Eigenkapitalquote von über 60 Prozent verfügt das Unternehmen über die Grundlage, um u. a. nachhaltige Innovationen langfristig voranzutreiben. Nachhaltigkeit ist dabei nicht als Einzelprojekt gedacht, sondern als Bestandteil der Unternehmensstrategie. Dazu gehören neben alternativen Antrieben auch nachhaltige Logistikanlagen, beispielsweise mit Photovoltaik, Begrünung und vorbereiteter Ladeinfrastruktur.
Fazit
Das Gespräch zeigt eindrucksvoll, dass emissionsfreie Logistik nicht durch eine einzelne Innovation entsteht. Entscheidend ist vielmehr die Bereitschaft, verschiedene Technologien frühzeitig zu testen, Erfahrungen zu sammeln und Herausforderungen offen anzunehmen. Elektromobilität, Wasserstoff, neue City-Logistik-Konzepte und eine leistungsfähige Infrastruktur sind dabei wichtige Bausteine der Transformation. Gleichzeitig zeigt das Beispiel DACHSER, dass der Wandel nur funktioniert, wenn Unternehmen bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, in Vorleistung zu gehen und gemeinsam mit Partnern Lösungen weiterzuentwickeln.
Gerade diese Kombination aus langfristigem Denken, praktischer Erprobung und Offenheit für neue Technologien macht DACHSER zu einem spannenden Best Practice für die Transformation der Logistikbranche.