Was steckt hinter Agri-Photovoltaik und was macht diesen Lösungsansatz interessant?
Aktuelle Prognosen zeigen, dass der Strombedarf weiter steigen wird. Haupttreiber für diesen Anstieg sind u.a. der zunehmende Stromverbrauch im Verkehrssektor und die Verbreitung elektrischer Wärmepumpen [1]. Gleichzeitig soll der Anteil erneuerbarer Energien am Strommix erhöht werden, sodass bis 2030 mindestens 80% des Stroms aus erneuerbaren Energien stammen sollen [2].
Ein innovativer Lösungsansatz: Agri-PV.
Agri-Photovoltaik (Agri-PV) ist eine Technik, die Landwirtschaft und Energieerzeugung durch Photovoltaik auf derselben Fläche kombiniert, indem Solarmodule auf den landwirtschaftlichen Nutzflächen installiert werden. Dieses Konzept stellten bereits 1981 der Gründer des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) Prof. Dr. Adolf Goetzberger und Dr. Armin Zastrow vor. Einige Jahre an Planung und Entwicklung vergingen, bis 2004 die erste Agri-PV-Anlage in Deutschland installiert wurde [3; 4].
Chancen und Risiken
Die Nutzung dieser Technologie bietet nicht nur Chancen, sondern auch Herausforderungen. So bieten die Anlagen u.a. Schutz vor Hagel-, Frost- und Dürreschäden und kann sogar die Menge des Bewässerungsbedarfs reduzieren. Dieser Schutz kann allerdings dazu führen, dass die Pflanzen weniger Sonne und Wasser zur Verfügung stehen und kann somit die Ertragsmenge reduzieren. Herausforderungen liegen u.a. in den teilweise hohen Investitionskosten sowie den bürokratischen Hürden, die durch ein komplexes und teilweise uneinheitlich geregeltes Genehmigungsverfahren, gepaart mit einer rechtlichen Unsicherheit, die oft durch fehlende und klar gesetzliche Rahmenbedingungen zustande kommen [5; 6; 7; 8].
Welche Bauweisen gibt es?
Die DIN SPEC 91434 legt Kriterien und Anforderungen an die landwirtschaftliche Hauptnutzung im Bereich Agri-Photovoltaik fest und unterscheidet zwischen zwei Kategorien:
| Agri-PV-Systeme | Nutzung | Beispiele |
| Kategorie I: Hohe Aufständerung > 2,1 m Bewirtschaftung unter der Agri-PV-Anlage | Dauerkulturen und mehrjährige Kulturen | Obstbau, Beerenobstbau, Weinbau, Hopfen |
| Einjährige und überjährige Kulturen | Ackerkulturen, Gemüsekulturen, Wechselgrünland, Ackerfutter | |
| Dauergrünland mit Schnittnutzung | Intensives Wirtschaftsgrünland, extensiv genutztes Grünland | |
| Dauergrünland mit Weidenutzung | Dauerweide, Portionsweide (z. B. Rinder, Geflügel, Schafe, Schweine und Ziegen) | |
| Kategorie II: Bodennahe Aufständerung < 2,1 m Bewirtschaftung zwischen den Agri-PV-Anlagenreihen | Dauerkulturen und mehrjährige Kulturen | Obstbau, Beerenobstbau, Weinbau, Hopfen |
| Einjährige und überjährige Kulturen | Ackerkulturen, Gemüsekulturen, Wechselgrünland, Ackerfutter | |
| Dauergrünland mit Schnittnutzung | Intensives Wirtschaftsgrünland, extensiv genutztes Grünland | |
| Dauergrünland mit Weidenutzung | Dauerweide, Portionsweide (z. B. Rinder, Geflügel, Schafe, Schweine und Ziegen) |
Tabelle: [6]

Abb.: Illustration der Kategorien und Nutzungsformen der DIN SPEC 91434 © Frauenhofer ISE
Bild A: Darstellung zu Kategorie I
Bild B: Darstellung zu Kategorie II, Variante 1;
Bild C: Darstellung zu Kategorie II, Varianten 1 und 2.
Welcher rechtliche Rahmen ist zu beachten?
Bei der Planung und Realisierung einer Agri-PV-Anlage sind verschiedene rechtliche Aspekte in Deutschland zu beachten, die den Rahmen für Genehmigung, Bau und Betrieb setzen. Hierzu zählen das Steuer-, Energie-, Bau-, und Agrarförderrecht. (Hinweis: die rechtlichen Rahmenbedingungen ist ein dynamischer System und sollte mit einem Experten besprochen werden)[10].
Wie kann der Weg zum erfolgreichen Baubeginn gelingen?
Zur Verfügung stehen zwei Wege, um eine Agri-PV-Ablage zu errichten
- Privilegierte Verfahren
- Bauleitplanverfahren
In der Regel ist das Bauleitplanverfahren mit mehr Aufwand und einer längeren Dauer verbunden, wo hingegen das privilegierte Verfahren nach §35 BauGB für Agri-PV-Anlagen ein deutlich beschleunigter Genehmigungsprozess bietet. Jedoch muss dabei beachtet werden, dass das privilegierte Verfahren nur genutzt werden kann, wenn gesetzliche Kriterien erfüllt sind [11].
Darstellung der Verfahrenswege:

Grafik von diveo GmbH [11].
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Veröffentlicht: 20.07.2026