Das Projekt KIRA ist Teil des „Modellregionenwettbewerb – Besser essen in der Region”, gefördert durch das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH). 

Ziel ist es, gesellschaftliche Veränderungsprozesse für ein nachhaltiges Ernährungssystem voranzutreiben. Dabei konzentriert sich KIRA auf die Außer-Haus-Verpflegung (AHV) als Schlüsselbereich, da sie durch ihre gebündelte Nachfrage Marktsignale setzen und nachhaltigen Lebensmittelkonsum fördern kann.

Nur wenige Gemeinschaftsküchen beziehen Bioprodukte, geschweige denn Bioprodukte aus ihrer Region. Das will KIRA ändern: Institutionen und Unternehmen der AHV sitzen an einer Schlüsselposition des Ernährungssystems. Sie sind in der Lage, durch ihre gebündelte Nachfrage Marktsignale in Richtung Produktion und Verarbeitung von Lebensmitteln zu geben und durch ihr Angebot Impulse für nachhaltigen Lebensmittelkonsum zu setzen. Die KIRA-Region Rheinland umfasst geografisch die Regierungsbezirke Köln und Düsseldorf.

Großer Bedarf an Lebensmitteln in der Region im Ballungsraum: Kita- und Schulkinder, Klinik-Patient:innen und städtische Angestellte, Studierende und Pflegeheimbewohner:innen essen Großteils täglich in der Gemeinschaftsverpflegung – allein in Köln sind das hochgerechnet etwa 160.000 Mahlzeiten am Tag. Hinzu kommen Mahlzeiten in Kantinen privatwirtschaftlicher Unternehmen. Übertragen auf die Verzehrempfehlungen der DGE wäre das ein täglicher Bedarf von mindestens 50 Tonnen Obst, Gemüse und Hülsenfrüchten, 16 Tonnen Getreide, Getreideprodukten und Kartoffeln sowie 32 Tonnen Milch und Molkereiprodukten, welche im optimalen Fall aus der Region beschafft und nachhaltig – nach Möglichkeit nach den Kriterien der zertifiziert ökologischen Landwirtschaft – erzeugt werden sollten. 

Wachsende Nachfrage für bio-regionale Lebensmittel: Die Nachfrage der Gemeinschaftsverpflegung nach Frischprodukten in der Region entwickelt sich erwartbar stabil, wobei die Tischgäste oder deren Eltern immer mehr Wert auf biologisch und regional angebaute Lebensmittel legen.  

Ungenutztes Potential in der landwirtschaftlichen Anbauregion mangels sicherer Absatzwege und Strukturen: Die Ökomodellregionen Niederrhein und Bergisches Rheinland eröffnen das Potential, die Bedarfe sogar aus zertifizierter ökologischer Erzeugung direkt aus dem Regierungsbezirk Köln und dem Regierungsbezirk Düsseldorf zu beschaffen. Allerdings kann das Angebot derzeit noch nicht den vollen Bedarf bedienen und es fehlen Strukturen, die das Angebot bündeln und eine gemeinsame Vermarktung von Produkten unterschiedlicher Produktgruppen ermöglichen. Aus der Zusammenarbeit mit Landwirt:innen aus dem Großraum Köln ist klar, dass aufgrund unsicherer Absatzwege in der Region eher auf eine Produktion und Vermarktung für den Groß- oder Direkthandel gesetzt wird als auf die gezielte regionale Gemeinschaftsverpflegung. Dies gilt besonders für die Bio-Landwirtschaft. 


Fokus auf den Großhandel & ineffiziente Wertschöfpungsketten:  Es gibt Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegung, die bewusst 20 % mehr frische Zutaten bestellen, als sie laut Speiseplan eigentlich brauchen. Der Grund: Ein Teil der frischen Produkte, die über den Großhandel kommt, ist bei der Anlieferung nicht mehr genießbar – etwa durch Schäden oder Verderb. 

Zusätzlich können schlecht organisierte Abläufe in der Lieferkette dazu führen, dass Informationen falsch oder verspätet weitergegeben werden. Bei empfindlichen Lebensmitteln kann das zu hohen Verlusten im Lager führen, weil sie nicht rechtzeitig verarbeitet oder gekühlt werden. 

Gegen all diese Missstände helfen eine intelligente Vertriebsstrategie, die Angebote sinnvoll bündelt und mit der Nachfrage abgleicht, sowie effiziente logistische Netzwerke mit abgestimmten Mengen und Partner:innen. Hier setzt KIRA an. 

Folgende Ziele möchte KIRA gemeinsam mit allen beteiligten Akteur:innen erreichen:

  • Regionalversorgungsnetzwerk

Entwicklung eines Regionalversorgungsnetzwerkes für das Rheinland, das Produktion und Bezug bio-regionaler Lebensmittel ermöglicht – und zwar dank sicherer, effizient vernetzter Absatzstrukturen und innovativer, digitalisierter Logistik. 

  • DGE-Zertifizierung 

Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegung und AHV-Betrieben soll die Umsetzung der neuesten DGE-Standards erleichtert werden, sodass sie nach dem DGE-Verpflegungs-Check ausgezeichnet werden.  

  • Erhöhung des Angebots bio-regionaler Lebensmittel

Landwirtschaftlichen Betrieben soll die Umstellung auf bio-regionale Vermarktung erleichtert werden, um ihren Absatz durch Diversifizierung zu sichern und bio-regionale Lebensmittel verfügbarer zu machen. 

  • Verringerung von Lebensmittelabfällen

Optimierte Wertschöpfungsketten mit effizienten Logistikprozessen vereinfachen die Beschaffung bio-regionaler Lebensmittel, sodass die Frischeprodukte schnell in den Küchen ankommen und Lagerverluste durch Verderb vermieden werden. 

  • Vernetzung & Matchmaking

Vernetzung von Landwirt:innen, AHV-Betriebe, Logistikpartner:innen und Weiterverarbeitungsbetriebe zum Aufbau neuer Kooperationen und zum Austausch von Erfahrungswerten und Know–how 

  • Toolbox zum Wissenstransfer

Entwicklung einer digitalen Toolbox mit Fokus auf Logistik für den Wissenstransfer der Projektinhalte in andere Regionen. 

  • Pilotierung für Follower-Regionen

Übertragung des Modellprojektes auf die Follower-Regionen München, Schwarzwald/Freiburg, Rheinland-Pfalz und das Saarland.

Ansprechperson: Isabell Ullrich ()

Forschungsschwerpunkt: 

CO2-Bilanzierung & Klimastrategie, Digitale Plattformen & Vernetzung, Ernährungsbildung & Konsumentenverhalten, Ernährungswissenschaft & Trends, Foodservice & Außer-Haus-Verpflegung, Konsumenteninteraktion, Lagerung & Kühlkettenmanagement, Lebensmittelabfallvermeidung, Lieferkettentransparenz, Nachhaltiger Handel, Regionalisierung & Wertschöpfungsketten, Supply-Chain-Transparenz, Transport & Distribution, Zertifizierungen & Audits

Standort: 

Technische Hochschule Köln, 2, Betzdorfer Straße, Deutz, Innenstadt, Cologne, North Rhine-Westphalia, 50679, Germany