Ein Jahr TransformERN: Erkenntnisse und Ausblick

Die Land- und Ernährungswirtschaft in Nordrhein-Westfalen verfügt über ein nennenswertes Innovations Ökosystem: exzellente Forschung, innovative Unternehmen und vielfältige Unterstützungsstrukturen. Dennoch erreichen wissenschaftliche Erkenntnisse und technologische Innovationen oft nicht die Breite der Unternehmen, insbesondere nicht die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Dies ist eine verlorene Chance in Zeiten, in denen Lieferketten unsicher, Ressourcen knapp und Anforderungen an Nachhaltigkeitsparameter komplexer werden.

Das Projekt TransformERN hat durch 94 Expert:innengespräche mit handelnden Personen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Wirtschaftsförderung zum Thema „Innovationen für mehr Nachhaltigkeit, insbesondere Klimaneutralität“ analysiert, welchen Bedarf Unternehmen an Wissens- und Technologietransfer haben, wie Transfer aktuell funktioniert und wie der Zugang für KMU verbessert werden könnte. Die Erkenntnisse zeigen eine komplexe Gemengelage: Hürden liegen nicht primär in mangelnder Bereitschaft der Forschung zum Transfer oder fehlendem Innovationswillen der Unternehmen. Vielmehr hindern insbesondere strukturelle Rahmenbedingungen KMU daran, verfügbares Wissen effektiver zu nutzen.

Zentrale Erkenntnisse aus den Interviews:

  • Fragmentierung: Die Region verfügt über zahlreiche Transferangebote, Förderprogramme und Beratungsstrukturen. Diese sind jedoch oft unkoordiniert, für Unternehmen schwer überschaubar und nicht systematisch auf die spezifischen Bedarfe der Land- und Ernährungswirtschaft ausgerichtet.

  • KMU-spezifische Transferhürden: KMU der Land- und Ernährungswirtschaft sind durch zunehmende Berichtspflichten und administrative Lasten stark beansprucht. Teilweise fehlen finanzielle Mittel, um Unterstützung in Form von personellen Ressourcen bereit zu stellen. So bleibt wenig Freiraum für die Beschäftigung mit der Innovation.

  • Timing-Problematik: Transfer erfolgt häufig nach dem „Gießkannenprinzip“ oder orientiert sich an Projektzyklen, nicht an den tatsächlichen Bedarfsphasen der Unternehmen. Viele Transferangebote sind aus Sicht der Unternehmen zeitlich nicht synchron mit dem Entwicklungsverlauf.

  • Diffusionslücke: Erfolgreiche Pilotprojekte und Demonstrationsanwendungen bleiben oft in der Sackgasse. Es fehlen systematische Ansätze, um bewährte Lösungen in die Breite zu tragen und von der Pilotanwendung zur Marktdiffusion zu gelangen. Hierdurch können die positiven Nachhaltigkeitseffekte nicht wirksam werden.

  • Interdisziplinaritätsdefizit: Transformation in der Land- und Ernährungswirtschaft erfordert die Integration technischer, ökonomischer, sozialer und ökologischer Aspekte. Das Wissenschaftssystem ist jedoch weiterhin stark disziplinär organisiert, was interdisziplinäre Lösungsansätze erschwert.

  • Anreizsystem-Inkompatibilität: Bestehende Bewertungs- und Belohnungssysteme in Wissenschaft und Förderung sind nicht auf erfolgreichen Transfer ausgerichtet, sondern bevorzugen traditionelle wissenschaftliche Leistungsindikatoren.

  • Weitere Erkenntnis aus der Analyse: Die Grundvoraussetzungen für erfolgreichen Transfer sind vorhanden. Es existieren funktionierende Netzwerke, engagierte Akteure und bewährte Transferformate. Um das System zu optimieren, müsste an unterschiedlichen Schrauben gedreht werden. Dieser Prozess braucht Ressourcen und koordiniertes Handeln.

Das gesamte Diskussionspapier ist hier zu finden.